Fast sechs Monate habe ich nun auf dieser Insel gewohnt.
Die ersten Wochen waren einerseits schwer, weil alles so anders war und mitten auf dem Land. Hier gehen die Uhren viel langsamer. Andererseits gab es nur schönes Wetter in April und Mai und somit die Möglichkeit, viel zu sehen und die Landschaft in schönen Farben zu geniessen.
Die Isle of Skye hat drei Grundfarben: blau, grün und rotbraun. Im Sommer sieht es natürlich vielfältiger aus, weil die Blumen blühen.
Ich musste mich an die karge Landschaften erst gewöhnen und es hat doch ca. drei Monate gedauert bis ich die Landschaft nicht mehr „einödig“ fand, sondern eben einzigartig. Für Geologinnen und Geologen ist die Insel eine Fundgrube, weil so viele Erdschichten, Steine und Felsen von der Eiszeit usw. erzählen. So sieht es auf der Insel aus: viel Ursprung mit Erdgeschichte und dazwischen ein paar Häuser mit Menschen, die in der hochmodernen Welt leben.
Trotzdem vermisse ich Wald und Bäume und ich habe immer noch nicht ganz verstanden, warum es überall Schafe und Heidelandschaft gibt. So ganz ursprünglich scheint hier doch nicht alles zu sein. Es gab auch mal eine Zeit mit Wäldern und als der Boden noch als Ackerboden bestellt wurde…
Nun stehen auf den Wiesen die „süssen“ Schafe und die Woll-Produktion ist die grosse Tradition.
Ganz schön fand ich die Begegnungen mit den Einheimischen beim Trampen oder bei einem Ceilidh-Konzert. Sehr hilfreich war auch die Videothek im Ort, die sogar lokal gedrehte Filme im Angebot hat. Vermissen werde ich auch den tollen Co-op-Supermarkt, der so viele fair gehandelte und Bio-Produkte vermarktet hat als Konzernethik sozusagen. Bald werden hier bestimmt auch Tesco, Aldi usw. sich breit machen. Brrr.
Die Arbeit im Hostel hat insgesamt auch Spass gemacht. Zum einen lag das sicher daran, dass ich nur eine Teilzeitstelle hatte.
Die ersten Monate habe ich mit Manu im schönsten Zimmer im Hostel gewohnt mit sehr netter Aussicht und geräumig, die letzten Monate haben wir im schönsten Zimmer in der Mitarbeitenden-Wohnung gewohnt mit der einzigen „privaten“ Couch im Haus mit Blick auf die Bucht.
Die wenige Privatssphäre konnten wir meistens ganz gut verkraften, manchmal sind wir einfach als Touristinnen in ein anderes Hostel oder ins Cafe geflüchtet.
Auf jeden Fall hat es die Lust vergrössert, selbst auch einmal Gästinnen und Gäste zu haben, am besten ein kleines Hostel oder B&B.
Gern komme ich im Urlaub zurück auf die Isle of Skye, es gäbe immer noch einiges zu sehen oder wiederzusehen. Aber auch die anderen Inseln und das Hochland sind weitere Reisen wert. So einsam auch alles zu sein scheint, es ist auch unglaublich befreiend. Die Kargheit und die frische Luft geben das Gefühl des tiefen Durchatmens und nur die wirklich wichtigen Dinge zählen. So Begriffe wie „Karriere“ werden plötzlich völlig irrelevant.
Zuhause, Nahrung, Arbeit, Freundschaften, Musik, Spass, Natur und Zufriedenheit sind die zentralen Begriffe.
Ende August bekam ich noch die Möglichkeit in Edinburgh mehr über das schottische Parlament zu erfahren. Ich bin wirklich beeindruckt von der kleinen „Nation“ und ihre Bestrebungen, sich von England auf friedlichen Wege unabhängig zu machen. Ob es tatsächlich ein Bundesland bleibt oder ein eigenes Land wird, ist noch garnicht abzusehen.
Wer die Zeit hat, Schottland ist auf jeden Fall einen längeren Aufenthalt wert.
Zu meinen Reiseplänen im September: erst mal geht es nach Hamburg zum Vorstellungsgespräch, danach geht es über die Schweiz in den Elsass, wo ich 14 Tage lang auf einer Kräuter- und Lama-Farm helfen werde.
Danach bin ich erst mal im Ruhrgebiet für 2 Wochen.
Wahrscheinlich werde ich den Blog als Reisetipp noch länger aufrecht erhalten.
Lieben Dank an alle LeserInnen für die es Spass gemacht hat, auch hier rein zu schreiben und Fotos online zu setzen !!


