Juli 26, 2008...7:33

Sommerabende in Schottland

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Hin und wieder werden auch wir hier im hohen Norden von hochsommerlichen Temperaturen überrascht. Die letzten 2 Tage waren wunderschön, so richtig Sommer. Du riechst die Bäume und Blumen, du siehst die bunte Pracht im Sonnenlicht, du hörst am Tag die kreischenden Möwen und am Abend das Käuzchen. Der Wind streichelt sanft über die Haut und du freust dich an einem Ort zu leben, wo andere Urlaub machen.

Die Zeit geht natürlich ganz schön schnell herum, wir sind das Hostel mit der höchsten Bettenbelegung für diesen Sommer in Schottland (90% von 60 Betten täglich!), das hält uns auf Trab. Wir versuchen natürlich auch für unsere privaten Gäste dazusein, die meisten kommen aus Deutschland und Manu und ich freuen uns gleichermassen auf alle, die hier vorbeischauen. Es macht noch mal so viel Spass, in der Gegend rumzulaufen oder -zufahren.
Das Leben spielt natürlich auch traurige Saiten. Als meine Nichte Viviane zu Besuch war und wir in einem Linienbus nach Inverness unterwegs fahren, stieg ein alter Mann (über 80) in den Bus. Er stöhnte über die schlechte Luft im Bus und kurz darauf ging es ihm immer schlechter. Eine andere Frau und ich redeten ihm zu, die andere Frau merkte, dass er schwitzte. Als sie den Fahrer bat, den Bus anzuhalten, wurde eine Krankenschwester aufmerksam, sie rief sofort die Notfallambulanz per Mobiltelefon. Der Bus kam dann bald zum Halten. Für den Mann kam jedoch jede Hilfe zu spät. Er starb an einem Herzinfarkt noch vor Stillstand des Buses, direkt im Sitz schräg neben uns. Es war eine sehr traurige Situation. Die Besitzerin eines Hotels am Parkplatz, den wir angefahren hatten, bot uns allen kostenlosen Tee und Kaffee an. Viele Buspassagiere konnten gar nicht glauben, was gerade geschehen war. Viviane und ich nahmen dann den nächsten Bus, um unsere Reise fortzusetzen.
Der Mann war zugestiegen, um seine kranke Frau im Krankenhaus in Inverness zu besuchen. Der Krankenwagen fuhr den verstorbenen Mann dann noch nach Inverness.

Hier auf dem Land gehen die Uhren viel langsamer und so nehme ich solche Geschehnisse, aber auch das Wetter und die Jahreszeit(en) viel bewusster wahr um mich herum. Insgesamt tut es gut, mal wieder auf dem Land zu leben.
Gestern Abend habe ich auf einem Abendspaziergang übrigens 6 Arten von Wildtieren gesehen (Kaninchen, Fledermäuse, Mücken, Eule im Flug, Frosch am Hostel, Reiher in der Bucht). Tagsüber hatten Adler hinter unserem Hostel ihre Kreise gezogen, ein ausgewachsener und zwei Jungvögel. Hin und wieder sehen wir hier abends auch Seehunde vor dem Hostel in der Bucht herumschwimmen. Die Artenvielfalt ist schon sehr schön.

Es ist immer ein merkwürdiges Gefühl, wenn manchmal die Gäste im Hostel ganz gehetzt zu sein scheinen, weil sie so viel organisieren wollen in ihrem Urlaub oder weil manche ihren Urlaub garnicht geplant haben. Da kamen gestern Abend tatsächlich 10 Personen die Tür herein und dachten, wir hätten noch genügend Betten für sie. Und das in der Hochsaison auf dem Land. Wir mussten sie leider wieder wegschicken. Manche Leute sind auch erstaunt, dass wir keine Privatzimmer mehr anbieten können oder dass wir kein Frühstück anbieten.

Viele wissen einfach nicht, woher die internationale Jugendherbergsbewegung kommt und wie das mal gelaufen ist. Früher mussten die Herbergsgäste sogar noch mit saubermachen vor der Abreise. Die alten Herbergen haben heute noch Schlafsäale zwischen 8 – 14 Betten, auch hier in Schottland. Da ist unser Hostel mit max. 6 Betten pro Zimmer, aber alles doppelstöckige Betten versteht sich, noch eine Luxusausgabe.
Wer sich für die Jugendherbergsbewegung interessiert: die erste weltweite Jugendherberge wurde in Deutschland in Altena im Sauerland in einer alten Burganlage eingerichtet. Heute ist die Burg und diese alte Herberge Museum. Es lohnt sich, da mal einen Ausflug hinzumachen. Altena hat eine moderne Jugendherberge angebaut.
So, weit für heute aus dem sommerlichen Schottland.
Ich hoffe, Ihr geniesst alle Euren Urlaub und freie Zeit.

Ela

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